Klärschlammtrocknung - Markt Bissingen geht neue Wege

    05/05/2017.

    Mit dem Thema Klärschlamm beschäftigen sich die Verantwortlichen des Markt Bissingen seit über 1 Jahr. Nun geht die Marktgemeinde ganz neue Wege, die für andere Kommunen beispielgebend sein könnten wie Bürgermeister Michael Holzinger hoffnungsfroh bemerkt. Da in Bissingen besonders viel Klärschlamm anfällt, wurde hier nach Möglichkeiten gesucht, diesen intelligent zu trocknen und zu verwerten. Durch Zufall  ist man auf eine Möglichkeit gestoßen, den Schlamm noch effektiver als bisher zu trocknen. Dies hat etwas mit der Firma Jumbo Group aus Buttenwiesen zu tun, die, im Feldbach-Industriegebiet angesiedelt, sich mit der Herstellung von Anlagen zur Trocknung von Gärresten aus Biogasanlagen befasst. Was für das Material aus Biogasanlagen passt, müsste auch für Kläranlagen passen dachten sich Bürgermeister Holzinger und Frau Otterbein und nahmen Kontakt zur Firma Jumbo Group auf. Nach mehreren Gesprächen und ersten Versuchen hat die Firma Jumbo Group innerhalb eines Jahres ihre Gärreste- und Biomasse-Trockner umkonstruiert und einen Trockner für Schlamm aus kommunalen Kläranlagen entwickelt. Und nicht nur das. Das getrocknete Material wird zu Pellets gepresst und kann so einer weiteren Verwertung zugeführt werden.
     
    Die bisherige Schlammlagerhalle wird umgebaut und im Juni wird die von der Firma Jumbo-Group entwickelte Klärschlammtrocknungsanlage installiert. Für die Abnahme der erzeugten Klärschlamm-Pellets wurden schon Wege gefunden. Die Märker Zementwerke Harburg wollen die Bissinger Pellets als sekundären Brennstoff verwerten. So muss der Klärschlamm nicht mehr wie bisher in die Verbrennung zur Firma Empter nach Altenstadt bei Schongau transportiert werden. Außerdem entsteht dadurch der positive Nebeneffekt, dass die Kläranlage künftig autark betrieben werden kann.
     
    Für den Trocknungsprozess werden die heißen Abgase von zwei Blockheizkraftwerken verwendet. Ein Blockheizkraftwerk wird zusätzlich zum Klärgas auch mit Erdgas betrieben. Mit dem dabei erzeugten Strom kann die Gemeinde die Kläranlage künftig nahezu energieautark betreiben. 615.000,-- Euro wurden in das Projekt investiert, die Kosten sollen sich in rd. dreieinhalb Jahren amortisieren. Die Schlamm-Massen von bisher rund 2700 Tonnen pro Jahr sollen sich künftig durch den neuen Trocknungsprozess auf rund 600 Tonnen Reste pro Jahr minimieren. Die Nachfrage zur Ausbringung von Klärschlamm in der Landwirtschaft, der dort als Dünger verwendet wird, geht stark zurück. Die Ausbringung von Klärschlamm als oft belasteter Dünger in der Landwirtschaft, wird in Zukunft vom Gesetzgeber weiter eingeschränkt. Jedoch stecken im Klärschlamm wertvolle Ressourcen wie beispielsweise Phosphor, der wieder in einen Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden kann.


    Der Entscheidung voraus ging eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, Prüfung und Begleitung des Vorhabens durch Herrn Dipl. Ing. Josef Waldinger vom Ing. Büro Dippold + Gerold aus Germering. Das Ergebnis der Wirtschaftlichkeitsberechnung war eindeutig und der Marktgemeinderat beauftragte daraufhin den Bürgermeister und die Verwaltung, dieses Projekt weiterzuverfolgen und umzusetzen, denn bis dato gab es noch keine Klärschlammtrocknung auf der Kläranlage Bissingen. Das bisher vorhandene BHKW erzeugt mit dem auf der Kläranlage anfallenden Klärgas Strom und Wärme zur Gebäude- und Faulbehälterheizung.
     
    Der Trocknungsprozess führt außerdem zu einer Schadstoffreduzierung des Schlamms. Jumbo Group-Geschäftsführer Franz J. Kraus erklärte bei der Besichtigung des Probelaufs der Trocknungsanlage, an der 1. Bürgermeister Michael Holzinger, Mitglieder des Marktgemeinderates und Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Bissingen, sowie Karl Klein, Geschäftsführer der Molkerei Gropper, Frau Otterbein Fa. BSB 5 und Herr Dipl. Ing. Josef Waldinger vom Ingenieurbüro Dippold + Gerold aus Germering teilnahmen, dass aus einer Tonne belastetem Klärschlamm 250 Kilogramm hygienisierte Biomasse aus der die Nährstoffe zurückgewonnen und in eine Kreislaufwirtschaft zurückgeführt werden können. Die Trocknung erfolgt über den reinen Abgasstrom eines Blockheizkraftwerkes, der 550 Grad heiß ist und den Schlamm auch hygienisiert. Als größter Einleiter der Kläranlage Bissingen beteiligt sich auch die Molkerei Gropper an diesem neuen Projekt des Marktes und stand dem Vorhaben von Anfang an aufgeschlossen gegenüber.

    Schon frühzeitig hat der Markt Bissingen, wie inzwischen auch etliche andere Kommunen,  den Betrieb der Kläranlage „outgesourct'. Seit 2003 hat Frau Silke Otterbein, Geschäftsführer  der Firma BSB 5 mit Sitz in Neusäß die Betriebsführung der Kläranlage Bissingen (35000 EW) übernommen. Der Kontakt von Bürgermeister Michael Holzinger damals zu der frisch gebackenen Abwassermeisterin kam ebenfalls durch Zufall zustande. Inzwischen betreuen Silke Otterbein und ihr Team mehrere Kläranlagen in der Region. Frau Otterbein ist es zu verdanken, dass der Kontakt zwischen Bissingen und der Fa. Jumbo Group hergestellt werden konnte und der Besitzer einer Biogasanlage auf einen Gärreste-Trockner der Buttenwiesener Firma aufmerksam machte. Und dann kamen Frau Otterbein und Bürgermeister Michael Holzinger ins Gespräch und auf die Idee…………

     

    TypDokument/DateinameDateigröße
    pdf Heizen mit Klärschlamm DZ 04.05.2017 I.pdf 1,3 MB
    pdf Kommentar DZ 04.05.2017.pdf 408 KB

    VOILA_REP_ID=C12576CE:00320044